Turbo Mini

Die verwirklichung eines Traumes.



Turbo Story
Wie alles begann ...

Ab dem 29.10.2001 ging es ans Umbauen der Maschine. Um Platz für den Turbolader zu schaffen, wurde eine Box in die Spritzwand eingesetzt und damit auch die Heizung 5cm weiter in den Inneraum versetzt. Dazu wurde ein Muster der Box mit Hilfe einiger Pizzakartons gemacht und die fertige (Metal-) Box durch des Nachbars Schweißgerät mit dem englischen Blech vereint.

Am 06.12.2001 war der Motor dann drin und passend zum Fest wurden 2 Tage vor Weihnachten die ersten Meter aus eigener Kraft zurückgelegt. Eigentlich wäre er noch 2001 Tüv fertig geworden, aber div. bestellte Teile wie z.B. die innenbelüftete 4kolbenbremsanlage wurden bis zum Februar 2002 nicht geliefert. Was mich aber nicht davon abhielt trotzdem mit dem Geschoss das Eis zum schmelzen zu bringen. Und so grinst man nach der ersten Probefahrt.

Anfang März wurde dann bei einem anderen Händler bestellt und schwups 3Tage später lagen die ganzen wichtigen Teile in meiner Garage. Da einiges an Arbeit um den Motor drum rum noch anstand, und bei der Gelegenheit auch die schleifende Kupplung gewechselt werden sollte, kam der Motor noch mal raus. Mangels Kupplungsabzieher fuhr ich mit dem Motor zu einer Miniwerkstatt um die Ecke: Nur kurz Kupplung runter, Simmenring wechseln und mit neuer Mitnehmerscheibe wieder zusammen schrauben.

Aber jetzt ging das Theater los... Der Sicherungsbolzen für die den Kupplungsflansch war nicht durch das Umlegen des Bleches gesichert. Als dieser auch fast nicht angezogen war, wurde mir es mir schon flau in der Magengegend. 3 Stunden Arbeit mit Abzieher, Schlagschrauber, 5Kilo-Adjuster, Schweißbrenner und viel Schweiß, erst dann war die Kurbelwelle von Kupplung und Schwungrad befreit. Was ich da erblickte, brachte mir fast die Tränen in die Augen. Der Flansch musste sich gelöst haben und hatte tiefe Fressspuren in der Kurbelwelle hinterlassen. 'Aus der Traum - alles kaputt' war mein erster Gedanke, der zweite war eine Riesen Wut auf den Motorenbauer und auf mich, der ich den Motor unzerlegt eingebaut hatte.

Nachdem ich mich wieder gefangen hatte, war klar jetzt war der Umbau begonnen, also wird er auch fertig gemacht. Ich der früher zwar die Kreidler Flory Motoren blind zerlegen konnte, aber außer einem kompletten Motor oder einer Zylinderkopfdichtung noch keinerlei Erfahrung Automotortechnisch hatte. Was muss das muss, da ich arbeitstechnisch auf Neuorientierung war, gab es keine Chance auf extra Ausgaben.

Das zerlegen des Motors hat, wie könnte es anders sein, noch einige Mankos aufgedeckt. Der 1te Zylinder z.B. hatte irgendwie eine Beule in der Laufbahn, da hätte wohl eigentlich aufs 2´te Übermaß gebohrt werden müssen. Der auf Bleifrei umgerüstete Kopf hatte einen geschweißten Steg, der aussah als trenne er sich sehr bald von der Schweißnaht. Kolben und Getriebe sahen aber noch gut aus. So wurde der Motor des 91ér Minis auch zerlegt und Block, Welle und Kopf zum Motorenbauer gebracht, mit der Auflage passend für die mitgebrachten Mahle Kolben zu bohren/hohnen, die Kurbelwelle zu schleifen, Kopf planen, Ventilsitze schneiden und die Auslassventilführungen für die dickeren Turboventile anzupassen.

Die Arbeit wurde auch sehr gut gemacht, mit einem Manko: Mahle liefert für diese Kolben keine Kolbenringe einzeln. Nun gut ich hoffte darauf, dass die 2500km geloffenen Ringe sich dem neuen Block anpassen werden. Bis der Motorenbauer seine Arbeit getan hatte, lief einiges an Wasser die Rems runter. Was mir Zeit gab mich in die Materie Getriebe einzuarbeiten und das ~5000km alte Getriebe zu checken. Bremsanlage, Ladeluftkühler und noch ein paar kleinigkeiten konnte erledigt werden bis es an den Zusammenbau des Agregats ging.

Am 15.05.2002 abends um 21:00hr war es dann so weit. Es kam der Moment in dem sich zeigen würde, ob ich den alten Gussklumpen repariert hatte oder nicht. Zu meiner Freude lief er auf den zweiten Huster an, es gab nicht mal irgendwelchen Geräusche die mich zum Panikartigen abschalten der Maschine bewegt hätten. In fester Überzeugung ordentlich gearbeitet zu haben, hatte ich auch für den nächsten Vormittag einen Termin zum Spur einstellen gemacht, also blieb dem Motörchen auch gar nix anderes übrig. Sieben Tage später hatte ich die 1000 Km einfahren hinter mir, die nötigen Wartungsarbeiten wie Ventile einstellen, Ölwechsel usw. waren erledigt nur den Kotflügeln musste ich noch das Streifen an den Vorderrädern abgewöhnen, schließlich hatte ich m nächsten Tag um 8:00Uhr einen Termin beim Tüv.

Da sich der Tüv Südwest ein bisschen angestellt hat war es nötig um 3:00Uhr morgens loszufahren, damit ich auch ja pünktlich in Siegen bin. War dann schon um 7:00Uhr da, aber das störte mich nicht weiter. Gegen 8:15Uhr kam dann Charly auf den Hof. Inzwischen waren zwei weitere Minifahrer eingetroffen, so dass genügend Gesprächsthema zur Zeitüberbrückung da war. Es ging schön der Reihe nach, die wenigsten/einfachsten Eintragungen zuerst. Wir durften auch alle von hinten in die Halle fahren (über die Grube wäre eh keiner drüber gekommen)

Während des Wartens wurde ich schon etwas nervös, ob die wohl alles ohne Probleme eintragen werden ? Es war so weit, mein Mini war dran. Rein in die Halle und gespannt ausgestiegen. Ich hatte vorab nur angekündigt ich wolle einen Turbo Umbau eintragen lassen. Also war ich schon überrascht dass ich eigentlich gar nix sagen musste. Der Prüfer ging mit dem 'Gott der Gutachtensammlung' um den Mini und zack zack zack schrieben sie eins nach dem anderen in die Liste zur Eintragung. Ich kann nur anmerken, das ich mir die ganze Zeit vor lauter Freude, Begeisterung und Verwunderung das Lachen und losprusten verkneifen musste. Ganz zum Schluss musste ich zwar noch auf die Spurverbreiterungen hinten hinweißen, aber alles andere wurde Kommentarlos gefunden und gelistet. Am längsten haben dann die Tippsen gebraucht. Es dauerte gut 1,5Stunden bis wir die Papiere wieder in den Händen hielten.

Überglücklich machte ich mich dann auf den Heimweg. Während der Heimfahrt lies ich es dann mal 10min. richtig laufen und bekam in einen Stau geratend plötzlich Probleme mit dem Öldruck. Dieser ging im Leerlauf bis auf ein halbes bar zurück und auch bei 4000 Umdrehungen kam er nicht mehr über 3-3,5bar.

Es dauerte dann 14Tage bis klar war irgendwas mit der neuen Ölpumpe muss Faul sein. Es half kein Unterlegen der Öldruckventilfeder und auch fluchen half nicht weiter. An meinem Geburtstag war es dann so weit und ich beschloss den Motor noch mal auszubauen, da man einfach besser an die Ölpumpe kommt. Es stellte sich heraus, das der Deckel der Ölpumpe gerissen war, weswegen er wohl auch über das Primärrad spritzte und das Öl zur Kupplung rausdrückte. Da bei Minispares die Reklamation mit der Begründung 'falsches Drehmoment' nicht durchgegangen wäre, wurde sie leider nicht auf Garantie ersetzt. Soweit wie ich die Pumpe inspiziert hatte war es meiner Meinung nach ein Fehler in den Toleranzen der Bauteile.

Noch mal sollte mir dass nicht passieren, also wurde eine Pumpe von KentCams geordert, die einen stabilen Deckel hat. Nach dem der Motor ja eh grad draußen war, machte ich noch ein paar Verbesserungen. Zum einen wurden die Brennräume auf 28ccm erweitert, was zu einer niedrigeren Verdichtung und somit besserer Haltbarkeit führen soll. Außerdem wurde der Krümmer, Lader und Hosenrohr mit Hitzeband umwickelt.

Weitere Goodies wie Lambda-Anzeige und Dampfrad kamen hinzu. Im September musste ich dann noch mal bei dem Hosenrohr bei, da er undicht wurde, was in Zukunft Auspuffmontagepasste verhindern soll.Ein günstig erstandener SPI Tank mitsamt Pumpe, schaffte noch etwas mehr Ordnung. Und die Dämmung der Motorhaube machte den kleinen noch leiser.

Im Oktober wollte ich es dann wissen und fuhr auf den Leistungsprüfstand, der dem kleinen ohne LLK muntere 100PS mit einem sagenhaften Drehmoment von 153Nm bestätigte. Diese wurden gleich einen Tag später beim Slalomrennen getestet und machen auch heute noch Spaß.

Im Großen und Ganzen kann ich sagen ich hab mir meinen Traum von 1991 erfüllt. Der Mini ist inzwischen mein Alltagsauto und bringt mir jeden Tag das grinsen ins Gesicht. Erleichtert wurde mir der Umbau durch die sagenhafte Unterstützung vieler Minifahrer, insbesondere im www.Mini-Forum.de hab ich etliche Ratschläge und Tipps bekommen ohne die ich Wochen länger gebraucht hätte.

Dafür möchte ich mich ganz herzlich bedanken!